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Aufgespießt

Starke Stücke

Aus Liebe zu Schumann

Der durch seine jährlich stattfindenden mehrmonatigen Benefiz-Tourneen bekannte Cellist Thomas Beckmann liegt im Streit mit der Stadt Düsseldorf. Die will ihn aus seiner Wohnung raushaben, in der er seit 27 Jahren wohnt. Grund: Die Stadt will in dem Gebäude ein Museum zu Ehren des Komponisten Robert Schumann und seiner Frau Clara einrichten. Schumann hatte dreieinhalb Jahre dort gewohnt, ehe er 1854 in eine Nervenheilanstalt bei Bonn eingeliefert wurde.

Thomas Beckmann weigert sich auszuziehen. Sein Mietvertrag sei unbefristet, sagt er. Der Rat der Stadt habe 1989 beschlossen, dass er mit seiner Ehefrau, einer japanischen Pianistin, in dem Haus wohnen dürfe. Die Wohnung im Dachgeschoss habe er für 100.000 Euro ausbauen lassen.

Er widerspricht der Darstellung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD), dass ein Museum nur bei „kompletter Entmietung des Hauses zu verwirklichen ist“. Für das Museum reichten das Erdgeschoss und die erste Etage.

Zum 13. Mal war der Cellist auch in diesem Winter wieder mit seiner Benefiz-Tournee für sein Projekt „Gemeinsam gegen Kälte“ unterwegs. Insgesamt rund 1,5 Millionen Euro hat er bei diesen Tourneen bisher zugunsten von Obdachlosen bundesweit eingespielt.

 

Razzia in Problem-Immobilie

Mit einer großangelegten Durchsuchung eines dreigeschossigen Wohnhauses ist die Polizei Mitte Januar gegen mutmaßliche Mietwucherer und Kriminelle in Mannheim vorgegangen. Die Bewohner, darunter viele bulgarische und rumänische Immigranten, sollen in winzigen Zimmern und Kellerverschlägen „regelrecht eingepfercht“ worden sein, sagte ein Polizeisprecher. Zudem hätten sich bei den Ermittlungen gegen Bewohner, Vermieter und Hausverwalter Hinweise auf Steuerhinterziehung, Urkundenfälschung und Betrug erhärtet. Ebenso der Verdacht des Mietwuchers.

An der Durchsuchung waren 130 Polizisten, Finanzinspekteure und Mitarbeiter der Stadt beteiligt. Beamte der Bereitschaftspolizei, eine Hundestaffel sowie ein Hubschrauber zur Überwachung möglicher Fluchtwege waren im Einsatz.
 

Auch das gibt es

Auch solche Vermieter gibt es. Freundlich erinnerte der Esslinger Hausbesitzer drei seiner Mieter daran, dass sie zusammen nun 100 Jahre bei ihm zur Miete wohnen. „Für die langjährige Treue und gute Zeit wollen wir uns ganz herzlich bei Ihnen bedanken“, hieß es im Schreiben. Er freue sich auf weitere gemeinsame Jahre. Dem netten Brief legte er einen Gutschein von 50 Euro bei, einzulösen bei Karstadt.
 

Illegale Kellerwohnung

Eine 26-jährige Vermieterin hat die Not der Menschen auf schändliche Art und Weise ausgenutzt. In Frankfurt haben zwei Polizisten eine illegale Kellerwohnung entdeckt. Die Vermieterin hatte drei Kellerräume des Einfamilienhauses als Wohnräume und je einen als Küche und Bad umfunktioniert. Für jeden Wohnraum soll die Vermieterin 500 Euro Warmmiete verlangt haben - also insgesamt 1.500 Euro im Monat.
 

 
MIETBEIHILFE FÜR GUTVERDIENER

Immer mehr Gutverdiener, die nach Maßstäben der Normalbevölkerung durchaus als Reiche gelten dürfen, werden in den USA plötzlich zu Sozialfällen. Sie können die explodierenden Mieten in San Francisco oder in New York nicht mehrzahlen. Wo Mieten 4.000 Dollar und mehr im Monat kosten, kommen auch die Gutverdienenden „unter die Räder“. Im Bostoner Vorort Cambridge, Sitz zwei Eliteuniversitäten, verloste die Stadt jüngst vergünstigte Sozialwohnungen an vierköpfige Familien mit einem Jahreseinkommen bis zu 118.200 Dollar.


Hilfe vor Ort

Rund 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge findet Unterschlupf in Flüchtlingslagern der Nachbarländer. Die Bedingungen in den Flüchtlingslagern werden aber immer schlechter, weil die internationale Gemeinschaft nicht genügend Geld an die UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR gibt oder in das Welternährungsprogramm einzahlt. Wer die Lebensmittelrationen in den Flüchtlingslagern kürzt, muss sich nicht wundern, dass sich die Menschen aufmachen, um woanders bessere Lebensbedingungen zu finden, sagt Bernhard von Grünberg.

Der Vorsitzende des Mieterbundes Bonn und langjährige Landesvorsitzende des Mieterbundes NRW, Bernhard „Felix“ von Grünberg, ist stellvertretender Vorsitzender der UNO-Flüchtlingshilfe, die sowohl für die Arbeit der UNHCR als auch für die Flüchtlingsarbeit in Deutschland Geld sammelt - im letzten Jahr immerhin über 20 Millionen Euro. Er setzt sich dafür ein, dass sich die Bedingungen in den Lagern verbessern.

Der Politiker hat im letzten Jahr mehrere Flüchtlingslager besucht, zum Beispiel das kenianische Lager Kakuma und Dohuk im Nordirak. In Dohuk leben fast 800.000 Flüchtlinge in der Stadt mit 1,2 Millionen Einwohnern. 60 Prozent hiervon sind bei Familien untergebracht. Mit Kilian Kleinschmidt, der bis vor kurzem in Jordanien das Lager Zatari mit mehr als 100.000 Flüchtlingen geleitet hat, will von Grünberg neue Perspektiven für die internationale Flüchtlingsarbeit entwickeln und umsetzen.

„Flüchtlinge brauchen, wie bei uns, eine Perspektive, um leben und arbeiten zu können und um sich den Rückkehrwillen zu erhalten“, sagt von Grünberg. Es sei notwendig, in den Lagern nicht nur Zelte aufzubauen und für die Ernährung zu sorgen. Es müssten vielmehr nachhaltige städtebauliche Strukturen unterstützt werden, damit nach Abzug der Hilfsorganisationen nicht riesige Slums zurückblieben mit Menschen ohne Perspektive. Es müssten funktionierende Wasser- und Abwassersysteme installiert und Wohnungen gebaut werden, die gegebenenfalls später von der einheimischen Bevölkerung bewohnt werden könnten. Richtige Schulen und Krankenhäuser müssten die provisorischen ersetzen. Arbeitsplätze müssten geschaffen werden, damit die Flüchtlinge Perspektiven hätten und sich in die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes einbeziehen können.

Dafür braucht man Partner, sagt Bernhard von Grünberg. Unternehmen, die sich solidarisch zeigten und Perspektiven in den betreffenden Ländern für sich aufbauten. Städtepartnerschaften mit großen Flüchtlingslagern müssten gegründet werden, damit man zumindest zeitweise Fachleute für Wasser/Abwasser, Verkehr zur Verfügung stellen kann und die Bewohner sich an Projekten beteiligen können.