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Aufgespießt

Starke Stücke

Graf kontra Altstadt

Ein bizarrer Kleinkrieg um vier Quadratmeter Fläche in der engen Altstadt der mittelfränkischen Kleinstadt Pappenheim kann teuer für die Stadt werden. Albrecht Graf von und zu Egloffstein kündigte an, die Fläche einzäunen zu wollen. Steht dort ein Zaun, kommt kein Auto mehr durch. Stadtwerke und etwa 40 öffentliche Parkplätze wären nicht mehr erreichbar.

Bürgermeister Uwe Sinn (SPD) mutmaßt, dass der Graf den Zaun aufstellen will, weil die Stadt ihm weitere Zuschüsse aus der Städtebauförderung für die Sanierung seines Schlosses verweigert. Die Stadt wirft dem Schlossbesitzer vor, sich nicht an vertragliche Absprachen gehalten zu haben, und will wissen, wofür er die bisherigen 1,3 Millionen Euro Fördergelder verwendet hat. In einer „streng geheimen Sitzung“ sollte der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht. Unter anderem stand ein Enteignungsverfahren im Raum.

Preiswert wohnen auf der Themse

Preiswert wohnen mitten in London – das geht. Der 67-jährige Rentner Charlie McLaren erfüllt sich diesen Traum auf seinem Hausboot Viod II in Sichtweite der Londoner Tower Bridge. Auf dem 32 Meter langen ehemaligen Frachtboot, das er sich vor drei Jahren kaufte, fehlt es ihm an nichts. Im Bauch des Bootes hat er sich einen modernen Wohnraum eingerichtet.

1.000 Euro zahlt McLaren im Monat. Darin inbegriffen sind eine Gemeindesteuer, Kosten für Heizung und warmes Wasser, Instandhaltungsarbeiten und eine Verwaltungsgebühr für den Ankerplatz. Unweit seines Ankerplatzes zahlen Mieter schon für ein Zimmer mit integrierter Küche und kleinem Bad 1.700 Euro Miete pro Monat.

Neben dem des Rentners liegen noch weitere Boote an dem Steg. Insgesamt 17. Sie alle sind bewohnt. Fran Read vom Canal and River Trust, der den Großteil der Wasserwege Londons verwaltet, sieht die hohen Londoner Mieten als Ursache dafür, dass immer mehr Menschen auf ein Hausboot ziehen. „Zwischen 2012 und 2016 ist die Zahl der Bootsbesitzer um 57 Prozent in die Höhe geschossen“, sagt Read. Knapp 60 Prozent der rund 3.600 Boote werden als Wohnungen genutzt.

Bootsbesitzer, die keinen festen Ankerplatz haben, müssen alle zwei Wochen ihren Standort wechseln. Die Konkurrenz um die Anlegeplätze ist deshalb enorm. Rentner Charlie McLaren ficht das nicht an. Er hat einen festen Ankerplatz. Und noch eines unterscheidet den Rentner von anderen Bootsbewohnern. Seine Nachbarn leben in deutlich einfacheren Verhältnissen. Die Boote sind oft eng und nur mit einer kleinen Kochnische und einem funktionellen Bad ausgestattet. Eine Fußbodenheizung wie an Bord der Viod II ist die Ausnahme.

Rohe, herzliche und bunte Gegend

Mit seiner Wohnungsanzeige für eine 110-Quadratmeter-Wohnung in Köln-Nippes machte sich ein Vermieter keine Freude. Vor allem den vielen Nippesern stieß sie sauer auf. Das Umfeld der Wohnung beschreibt er als „roh, herzlich und bunt“. Hier werde man „auf jeden Fall auf der Straße zum nachbarschaftlichen Schwatz angesprochen, aber unter Umständen auch schon mal mittags betrunken“. Für ihn sei das total richtig, aber wer damit nicht umgehen kann oder will und für solche Nachbarschaftskontakte keine Geduld und Toleranz habe, sei falsch im Viertel. Das sei „nichts für Helikopter-Eltern oder Menschen, die sich total abschotten wollen“.

Frei von Scham und Versuchung

Udo Jürgens besang das Gehabe mancher Nachbarn „in diesem ehrenwerten Haus“ schon 1974. Er machte sich über die spießige Moral so mancher Nachbarn lustig. Doch auch 43 Jahre später hat das Lied offensichtlich nicht an Aktualität verloren. Selbst in Berlin. Dort stieß das Aufstellen eines Wäscheständers auf dem Balkon, auf dem neben Hosen, Blusen und Pullis auch Unterwäsche hing, auf das Missfallen eines Nachbarn. Auf einem Zettel ermahnte er die Frau mit den Worten: „Hallo Nachbarin, könnten Sie in Zukunft bitte keine Unterwäsche auf Ihren Balkon hängen? Dies ist ein christliches Haus und unser Sohn soll frei von Scham und Versuchung aufwachsen!!!“ Ein richtig ehrenwerter Nachbar.

Das Müll-Haus von HA Schult

Wenn der Kölner Künstler HA Schult in Köln seine Werke öffentlich präsentiert, dann sind hitzige und kontroverse Diskussionen programmiert. Sein jahrelanger Streit mit Kölns früherem Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes über sein mit Flügeln verziertes und vergoldetes Auto auf dem Turm des denkmalgeschützten Stadtmuseums sorgte immer wieder für Gesprächsstoff. Zumal der streitlustige Künstler gegen den nicht weniger streitlustigen Regierungspräsidenten letztendlich obsiegte.

Jetzt macht der Aktionskünstler erneut mit einem umstrittenen Projekt Schlagzeilen: Auf der rechten Rheinseite in Blickachse zum Dom ließ er gegen den Willen des Kulturbeirates der Stadt ein Müll-Haus mit dem Namen „Save the World Hotel“ errichten. Als Baumaterial verwendete der Künstler Müll, der an den Küsten Europas angeschwemmt wurde: Plastikflaschen, Netze und Stofffetzen. Kinder sammelten bereits 2009 Müll an spanischen Stränden. HA Schult will damit auf die Umweltverschmutzung und die Situation von Obdachlosen aufmerksam machen. Schult unterstützt damit auch einen Verein, dessen Ziel der Bau der „Casa Colonia“ ist, in der Wohnungslose, Flüchtlinge, Studenten und Künstler unter einem Dach leben sollen.