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Aufgespießt

Starke Stücke

Haus auf dem Haus

Bei dem Wort „Penthaus“ denken die meisten Menschen vermutlich an eine großzügige Dachwohnung mit Rundumblick und Terrasse. Das 3,6-Quadratmeter-Penthaus allerdings, das der Künstler Jakob Wirth „Penthaus à la Parasit“ nennt und mit dem er seit Frühjahr über Berliner Dächer zieht, erinnert mehr an illegale Dachaufbauten etwa in Hongkong. Was dort reine Selbsthilfe ist, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen, soll in Berlin Aufmerksamkeit für die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt generieren. „Statt durch hohe Mieten in die Peripherie vertrieben zu werden, steigt es nach oben auf die Dächer – ohne Wissen der Hauseigentümer“, beschreibt Wirth sein Projekt. Gemeinsam mit Alexander Zakharov hat er das Häuschen konzipiert, ab und zu wohnt er auch darin. Die restliche Zeit steht das Parasiten-Penthaus als Symbol auf Hausdächern in verschiedenen Bezirken.

Bisher war das knapp 500 Kilo schwere Holzhaus mit Bett, Schreibtisch und zwei Kochplatten schon in Bernau bei Berlin, in Neukölln und in Mitte. „Weil es in einem modularen System gebaut ist, lässt es sich in nur drei bis vier Stunden aufbauen“, sagt der Student. Wie ein Parasit könne es schnell an unterschiedliche Dächer andocken. Bisher habe es kaum Probleme gegeben, so Wirth – weder mit Eigentümern noch mit Nachbarn. Dass er nicht wisse, ob und wann sein Penthaus verdrängt werde, sei eine Gemeinsamkeit mit den Berlinern Mietern.

Mehr Sauberkeit durch Mülleimer mit Musik

Mit einem Abfallbehälter, der sich mit Musik und anderen Tönen bei seinen Bestückern bedankt, will Neubrandenburg für mehr Sauberkeit im Stadtzentrum sorgen. Der Müllschlucker wurde am Eingang zum Marktplatz-Center aufgestellt, wie eine Sprecherin erklärte. Wenn jemand etwas hineinwirft, ertönt etwa Klatschen, Wassergeplätscher oder ein gesungenes Halleluja. Der Behälter werde über Solarstrom betrieben, presse Müll zusammen und könne so mehr Abfall aufnehmen als herkömmliche Behälter.

Auch im baden-württembergischen Rastatt kommunizieren einige Mülleimer in der Innenstadt nun mit den Bürgern. Wird Abfall hineingeworfen, ertönt entweder ein Geräusch oder eine Ansprache. 35 verschiedene Laute haben sich die Entwickler ausgedacht und eingesprochen. Nachts werden die Geräusche leiser, damit sich niemand erschreckt.

Singen für gute Nachbarschaft

In Bremen fand im Spätsommer bereits zum fünften Mal das Kulturspektakel „Singende Balkone“ statt. Hunderte Schaulustige fanden sich im Bremer Hochhausviertel Osterholz-Tenever ein, um Bewohnerinnen und Bewohnern des Viertels beim Singen von ihren angeleuchteten Balkonen zuzuhören. Neben Songs von Adele, Rosenstolz oder Frank Sinatra gab es ein Streichquartett sowie einen syrisch-deutschen Spielmannszug katholischer Pfadfinder zu hören. Das Nachbarschaftsfest, das die Eventmanagerin Christel Fangmann und der Bremer Sänger und Komponist Mark Scheibe organisieren, wird von der öffentlichen Wohnungsgesellschaft Gewoba unterstützt.

In der experimentellen Hochhaussiedlung Tenever, die in den 1970er Jahren gebaut wurde und lange als Problemviertel galt, leben heute Menschen aus etwa 70 verschiedenen Nationen zusammen. Gewoba-Sozialmanagerin Daniela Klostermann sagte, mit den „Singenden Balkonen“ wolle man den Mietern ein Gesicht geben und die Nachbarschaft feiern.

Kaugummi an die Wände

In den Städten gehören sie zum gewohnten Anblick: Kaugummiflecken auf den Gehsteigen. Was für Fußgänger ein optisches Problem ist, kostet die Stadtreinigung Nerven – und Geld. „Je nach Straßenbelag muss die verklebte Masse entweder per Hand entfernt werden oder kann durch Maschinen beseitigt werden“, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Karl-Heinz Frieden.

Zusätzlich zur Aufklärung mit Hilfe von Plakaten oder Werbespots wollen einige Städte der klebrigen Plage mit „Gum Walls“ Herr werden. Die Kaugummi-Wände oder -Boxen stehen bereits in Frankfurt am Main, Limburg, Stuttgart und Duisburg sowie Kommunen in Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz. Auch in Fußballstadien werden sie eingesetzt. In Kaiserslautern läuft ein Wettbewerb für die Boxen. Mit ihnen soll Kaugummi-Kauern die Entsorgung einfach gemacht werden. „Die Box besteht aus einem robusten Metallkasten, dessen Innenteil mit kreativ gestalteten Andrückplatten für Kaugummis versehen ist“, heißt es. Die Kaugummis können auch einfach eingeworfen werden.

In Limburg, das für 15 „Gum Walls“ rund 7.000 Euro ausgegeben hat, heißt es, die Tafeln seien „ein echter Hingucker“. In roten Kästen sind bunte Papiere mit auffälligen Smileys eingespannt, auf die die ausgekauten Gummis gedrückt werden sollen. Wie viel weniger klebrig die Bürgersteige dadurch künftig sein werden, wird sich aber erst noch zeigen müssen.